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Ausgrabungen im Land Bremen


2015: Der Haruspex von Huchting?

Das knapp 2 cm hohe Orakelstäbchen aus Bremen Huchting (Foto: E. Schindler)
Das knapp 2 cm hohe Orakelstäbchen aus Bremen Huchting (Foto: E. Schindler)

In Huchting im Bremer Süden ist seit 1994 ein Acker Schauplatz von Begehungen. Neben kaiserzeitlich zu datierenden Scherben, einem Sesterz des Commodus und dem Henkelfragment eines Hemmoorer Eimers wurde nun ein einzelnes Orakelstäbchen des Typs C-a-5 nach Dickmann entdeckt. Das sieben Gramm schwere und nur etwas über zwei Zentimeter in der Länge messende Objekt, das erste seiner Art im Bundesland, diente in der Antike der schicksalsgeleiteten Entscheidungsfindung. Vergleichbare Hilfsmittel, die bis ins Mittelalter über Jahrhunderte zwecks Auslotung des göttlichen Willens Verwendung fanden, wurden in dreistelliger Zahl in Zentraleuropa entdeckt. Dabei lassen sich einzelne Exemplare in Frankreich und Großbritannien ausmachen, fokussiert kamen die Orakelstäbchen jedoch in den Niederlanden und Nordwestdeutschland zum Einsatz.

Das Huchtinger Orakelstäbchen, vermutlich aus dem 3. Jh., besteht aus Bronze. Bekannt sind darüber hinaus Stücke aus Silber und Blei, aber auch Horn, Knochen oder gar Holz. Letztere drei erhalten sich in der Regel nur in ungestörten Fundzusammenhängen – dann, unabhängig vom Material, immer als Paar, wobei die charakteristischen Muster, die sich meist auf den Stirnseiten befinden, oft nur auf einem der beiden Orakelstäbchen zu finden sind. Das vorliegende Exemplar muss (bislang) ohne Gegenstück auskommen, lässt sich über die häufig verwendete beidseitige Kreuzmarkierung jedoch zweifelsfrei identifizieren. Unklar bleibt, in welchem Zusammenhang es in den Boden gelangte – bekannt sind vergleichbare Objekte von Siedlungs- und Handelsplätzen, aber auch Kult- oder Opferstätten und Gräbern. Ob es sich beim ursprünglichen Besitzer um einen antiken Wahrsager (Haruspex) gehandelt hat oder das Orakelstäbchen doch wohl eher das Hilfsmittel eines mit sich hadernden Germanen war, muss offen bleiben.
(D. Bischop)

2009: Osterholz

Blick auf die Grabungsfläche in Bremen Osterholz
Grabungsfläche in Bremen-Osterholz (Foto: Daniela Behrens)

Schon seit vielen Jahren gräbt die Landesarchäologie Bremen immer wieder im Stadtteil Osterholz. Der Fundplatz wurde in den 1960er Jahren durch Oberflächefunde bekannt und in den Jahren 2000 und folgende baubegleitend archäologisch untersucht. Dieses Mal galt es ein Gebiet, dass zu Beginn der 1990er Jahre mit einfachen Holzhäuser bebaut worden war archäologisch zu untersuchen. Die Holzhäuser sollten nun durch Steinhäuser ersetzt werden, die in tiefer in den Boden eingreifen. Da schon beim Bau der Erschließungsstraße und bei weiteren Baumaßnahmen in unmittelbarer Nähe Siedlungsspuren aus der vorrömischen Eisenzeit und freigelegt worden waren, wurde nun die Gelegenheit genutzt vor Beginn der Baumaßnahme hier die Siedlungsspuren zu ergänzen.

Die Siedlung in Osterholz liegt auf und an einer ausgedehnten, leicht ansteigenden Sandfläche der Weserniederterrasse, einer insgesamt naturräumlich begrenzte Siedlungskammer. Diese leicht erhöhte trockene und sandige Siedlungslage war sogar besonders gut geeignet, weil in südöstlicher Richtung das Gelände wieder schwach abfiel und etwas niedriger und feuchter war, so dass es bei Weserhochwasser überflutet werden konnte. Freigelegt wurden zahlreiche Verfärbungen von Pfosten, die sich aber nicht zu einem Grundriss zusammenfügen ließen. Wieder kam qualitätvolle Siedlungskeramik zu teil verzierte Keramik zutage,. Besonderes Fundstück war ein kleines vollständig erhaltenes Gefäß, das mit seiner Öffnung nach Norden zeigte.

Das kleine Keramikgefäß in seiner Fundlage
Das kleine Keramikgefäß in seiner Fundlage (Foto: Daniela Behrens)

Bislang sind die Befunde noch nicht in die älteren bestehenden Grabungspläne eingearbeitet worden, vielleicht ergibt sich doch noch ein Hausgrundriss. Aber die Grabung ist noch nicht abgeschlossen, denn auf einem benachbarten Grundstück rollen in wenigen Wochen wieder die Bagger an. Vielleicht deckt die vorgeschaltete Ausgrabung noch weiter interessante Befunde auf, so dass sich neue Bilder zu alten Bauten in Osterholz zusammengfügen.

2008: Strom

Grabung Strom mit den Befundstellen einer Holzpfostenreihe
Befundstelle mit Holzpfostenreihen (Foto: Daniela Behrens)

Bis zum Jahr 1398 wird das Dorf Stelle im heutigen Stadtteil Strom urkundlich erwähnt – dann verließen die Bewohner die Ortschaft an einem Seitenarm der Weser wahrscheinlich. Die Bremer Landesarchäologin Prof. Dr. Uta Halle hat am 17. Dezember, im Beisein des Senators für Umwelt, Bau, Verkehr und Europa, Dr. Reinhard Loske, eine Reihe von Grabungsfunden der Öffentlichkeit vorgestellt.

Seit Juni 2008 wurden im Zuge des Neubaus der Autobahn A 281 in der Neustadt zwei hochmittelalterliche Wurten ausgegraben. Die ältesten Nachrichten aus dem Bremer Niedervieland datieren aus dem Jahr 1158. Damals begann unter maßgeblicher Beteiligung der Holländer die Kultivierung des Sumpflandes. Das Dorf Stelle bestand aus insgesamt 19 Wurten zu beiden Seiten des Weserarms.

Die Menschen lebten dort von der Landwirtschaft, da keine handwerklichen Tätigkeiten archäologisch nachgewiesen werden konnten. Ab 1398 findet Stelle keine Erwähnung mehr, so dass davon auszugehen ist, dass die Bewohner das Dorf kurz darauf verließen. Die Ursache ist unbekannt. Denkbar wäre eine Abwanderung in die Stadt Bremen, da dort ab Mitte des 13 Jahrhunderts durch die Pest ein Bevölkerungsrückgang mit anschließenden Zuzügen von außerhalb verzeichnet wird.

Befundstelle einer Wasserrinne mit Ascheschicht
Befundstelle einer Wasserrinne mit Ascheschicht (Foto: Daniela Behrens)

Die Ausgrabungen haben ergeben, dass die Bewohner vieles, was ihnen noch nutzbar erschien, mitgenommen haben. Zudem konnten Strukturen freigelegt werden, deren Funktion noch unklar ist, etwa mit Holzkohle ausgelegte Rinnen, die aber keine Brandspuren aufwiesen. Von besonderer Bedeutung ist ein mittelalterlicher Hausgrundriss, in dem das Skelett eines jungen Rindes lag. Anhand der Holzpfosten hofft die Landesarchäologin Prof. Halle, zu einer genauen Dendrodatierung zu kommen. Bei dieser Methode werden die Jahresringe von Bäumen anhand ihrer unterschiedlichen Breite einer bestimmten, bekannten Wachstumszeit zugeordnet.
Zudem wurden Keramiken aus der Zeit zwischen 1200 und 1400 gefunden. Ferner konnten einige weinige eisenzeitliche Scherben aus der Zeit kurz vor Christi Geburt sichergestellt werden. Des Weiteren wurden ein fast vollständig erhaltener Topf im Block eingegipst und geborgen. Er wird nach Abschluss der Grabungen in der Werkstatt der Landesarchäologin weiter untersucht.

Prof. Halle dankte der Projektentwicklung und dem Amt für Straßen und Verkehr sowie der ausführenden Grabungsfirma für die reibungslose Zusammenarbeit.

Rindskelett mit Holzpfosten
Rinderskelett mit Holzpfosten (Foto: Daniela Behrens)

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2008: Lankenau

Sockelkonstruktion der Windmühle
Die Basis der Windmühle (Foto: Heinz Kahrs)

Bei Kampfmittelräumarbeiten in Lankenau wurde eine technische Anlage angeschnitten, die vermutlich der Unterbau einer Bockwindmühle ist. Zwei Meter unter der Erde lag als Fundament ein Balkenkreuz mit einer Balkenlänge von jeweils vier Meter. Durch die vorhandenen Markierungen auf den Balken konnten weitere Holzteilfunde in eine ursprüngliche Position gebracht werden.

Die zusammengefügten Teile der Holzkonstruktion
Der Aufbau (Foto: Heinz Kahrs)

Welche Funktion die Windmühle dort erfüllte, ist noch zu klären.Vermutlich handelt es sich um eine Wasserschöpfmühle. In dem Areal fanden sich keinerlei Anzeichen eines Wirtschaftsgebäudes. Die Bestimmung von Holzproben ergab eine zeitliche Einordnung in die Jahre 1815/16.