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Ausgrabungen in Bremerhaven


2016: Bisher größte ergrabene frühgeschichtliche Siedlung Bremerhavens

Freilegen der Grabungsfläche
Freilegen der Grabungsfläche (Foto: Landesarchäologie)

Die Überprüfung der Ersterschließung eines Wohngebietes am Reinkenheider Forst II. in Bremerhaven Schiffdorferdamm, die durch den ehrenamtlich Beauftragten der Landesarchäologie Egon Stuve vorgenommen wurde, ergab zahlreiche Streuscherben und einen römischen Denar des 1. oder 2. Jhs n. Chr. Diese Funde in der abgeschobenen neuen Straßentrasse waren die ersten Spuren einer großen Siedlung, die mindestens von der älteren römischen Kaiserzeit bis zur frühen Völkerwanderungszeit bestand.

Die mittlerweile größte archäologische Ausgrabung im Stadtgebiet Bremerhavens gestaltete sich trotz guter Zusammenarbeit mit der STÄWOG, der Städtischen Wohnungsgesellschaft Bremerhaven, aufgrund teilweise bereits abgeschlossener Kaufverträge, fortwährend drängender Terminsetzungen und häufig unter Wasser liegender Flächen äußerst schwierig. Immerhin konnten einige der insgesamt 44 Baugrundstücke bauvorgreifend untersucht werden.

Grabungsfläche mit Befunden (Foto: Landesarchäologie)
Grabungsfläche mit Befunden (Foto: Landesarchäologie)

Langsam erschloss sich dabei das Bild einer germanischen Siedlung, die aus mehreren großen Ost-West-gerichteten dreischiffigen Wohnstallhäusern mit deren Nebengebäuden sowie Brunnen besteht.

Einige der Befunde geben aber Rätsel auf. So ist bisher eine von einem Kreisgraben umgebene quadratische fundarme Grube singulär.

Im Kreisgraben von 5 m Durchmesser fanden sich geringe Reste von Brandknochen, die mit auf eine nicht alltägliche Deutung des Befundes innerhalb einer germanischen Siedlung deuten.
(Dieter Bischop)

Kreisgraben mit kastenförmiger Grube in seiner Mitte (Foto: Landesarchäogogie)
Kreisgraben mit kastenförmiger Grube in seiner Mitte (Foto: Landesarchäogogie)


2014: Neue archäologisch-historische Veröffentlichung zu Burg und Kirche in Bremerhaven-Wulsdorf

Dionysiuskirche in Wulsdorf (Foto: D. Bischop)
Dionysiuskirche in Wulsdorf (Foto: D. Bischop)

Bremerhaven-Wulsdorf, einer der ältesten Stadtteile Bremerhavens, hält bis heute viele interessante Fragen für die Forschung bereit. In einem Sammelband werden nun verschiedene Beiträge zur mittelalterlichen Geschichte der Wulsdorfer Dionysiuskirche und des daneben liegenden Jedutenberges beleuchtet. Ausschlaggebend war die, die Sanierung begleitende archäologische Grabung der Bremer Landesarchäologie in den Jahren 2002/2003 in der Dionysiuskirche, einer Feldsteinkirche aus dem 12. Jahrhundert, der älteste erhaltene Bau Bremerhavens. Sie brachte zahlreiche bedeutende Funde und Fundstücke und somit Quellen zur historischen Entwicklung der Kirche an Tageslicht, wie etwa den Nachweis mehrerer frühmittelalterlicher Holzkirchen, zahlreicher Bestattungen vom Frühmittelalter bis in die frühe Neuzeit, oder den Fund eines verborgenen Opferstockes u. a. mit Münzen aus der Zeit um 1430. Diese verschiedenen Fundgattungen werden nun von unterschiedlichen Wissenschaftlern, darunter Archäologen, Historikern, Kunsthistorikern, Anthropologen, Geologen, Paläozoologen vorgestellt.

Ausgrabung in dem Kirchenraum 2002/03  (Foto: C.C. von Fick)
Ausgrabung in dem Kirchenraum 2002/03 (Foto: C.C. von Fick)

Neben der ausführlichen historischen Einordnung Wulsdorfs und seiner Dionysiuskirche folgen eine Neubewertung des Jedutenberges und die Ergebnisse der archäologischen Grabungen, darunter die Untersuchung der in der Kirche entdeckten Keramik- sowie Glasmalereifragmente, der menschlichen Skelettreste und der Tierknochen, der zahlreichen Münzfunde, Erläuterung der abgedeckten Triumphbogenmalereien. Auch die kunsthistorische Einordnung der Feldsteinkirche von Wulsdorf arbeitet die Kirche als einen möglichen Schlüsselbau für die Kirchen im Land Wursten und weiter weseraufwärts heraus.

Die neue Veröffentlichung "Burg und Kirche in Wulsdorf" ist nun erschienen, mit Beiträgen von D. Bischop, J. Blankenburg, N. Borger-Keweloh, K. Giesen, J. Grützmann, P. Ilisch, H. C. Küchelmann, S. Krause, D. Riemer, E.Stuve, I. Weibezahn // Hg. D. Bischop, N. Borger/Keweloh, D. Riemer
(Band 51 der „Sonderveröffentlichungen des Heimatbundes der Männer vom Morgenstern“, hg. von Dr. N. Borger-Keweloh. Zugleich Band 23 der „Veröffentlichungen des Stadtarchivs Bremerhaven“, hg. von J. Kahleyß)

Der Band kann für € 29,50 bei den Herausgebern, dem Bremerhavener Stadtarchiv, der Landesarchäologie Bremen und im Buchhandel erworben werden.

(D. Bischop)

2013: Das Dorf an der Geeste

Einer der zehn Brunnenschächte wird freigelegt. (Foto: D. Bischop)
Einer der zehn Brunnenschächte wird freigelegt. (Foto: D. Bischop)

Scherbenfunde beim Bau einer Kindertagesstätte in Bremerhaven Geestemünde gaben den Anlass dem ursprünglichen Geestendorf auf die Spur zu kommen. Das früher zum Vieland gehörige Gestenthorpe wird 1139 erstmalig im Verzeichnis des Ritters Truthbert genannt, aber – wie die Neufunde nun zeigen – ist die Siedlung unweit der Weser offensichtlich schon mehrere, vielleicht drei Jahrhunderte, älter als bisher vermutet.

Auf dem durch über 45 Brandbomben verseuchten, 2500 m2 großen Gelände konnten trotz großflächiger Störungen noch über 10 große Gruben bzw. Brunnenschächte und Pfostensetzungen dokumentiert werden. Einige große Pfostengruben und Wandgräben konnten einem größeren Ost/west orientierten Pfostengebäude zugewiesen werden. Eine Grube datiert durch die Keramik in die vorrömische Eisenzeit. In eine mittelalterliche Grube hineingeraten war das Bruchstück einer sehr viel älteren Flintsichel.

Keramik aus dem 9.-11. Jahrhundert
Keramik aus dem 9.-11. Jahrhundert, im Hintergrund Freilegung des Feldstein-Brunnens (Foto: D. Bischop)

Konnte ein gut erhaltener Eichenpfosten dendrochronologisch auf die Jahre um bzw. nach 1358 datiert werden, streut die Keramik doch vom Frühmittelalter bis zur frühen Neuzeit. Wohl in das 17. Jh. gehören ein Feldsteinbrunnen und vermutlich ein in einer Grube vorgefundenes Rinderskelett.

Brunnen und Gruben der auf einer leicht sandigen Kuppe gelegenen Siedlungsstelle wurden nur soweit ausgegraben, wie sie von der Baugrube der Kindertagesstätte zerstört zzu werden drohten. Die tiefer gelegenen Befunde wurden von einem weißen Fließ abgedeckt und verschwinden – hoffentlich für die nächsten Jahrhunderte – unter der neuen KiTa.
(Dieter Bischop)