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Impressionen vom Tag des offenen Denkmals 2015

Aufsteller auf der Straße mit einem Hinweis auf den Tag des offenen Denkmals 2015 in der Landesarchäologie (Foto: Hermann Witte)
Aufsteller auf der Straße mit einem Hinweis auf den Tag des offenen Denkmals 2015 in der Landesarchäologie (Foto: Hermann Witte)

Am 13. September strömten rund 120 Besucher in die Bremer Landesarchäologie. Anlässlich des Tages des offenen Denkmals wurden dort neue Ergebnisse der Ausgrabungsarbeit, die zum Thema „Handwerk, Technik, Industrie“ passen, der Öffentlichkeit vorgestellt und ein Einblick in die alltäglichen Aufgaben der Behörde gegeben. Das Team der Landesarchäologie erhielt dabei tatkräftige Unterstützung durch mehre Ehrenamtler und Studierende der Universität Bremen.
Die Landesarchäologie ist für BesucherInnen oftmals schwer zu finden, deshalb wiesen die Plakate der Veranstaltung an verschiedenen Stellen den Weg ins Gebäude.

Pünktlich um 14.00 Uhr begann die erste Führung durch die Räume der Landesarchäologie. Zwei weitere Führungen folgten

Erster Stopp während der Führung war der Waschraum, in dem die eingelieferten Funde der Ausgrabungen einer Reinigung unterzogen werden. Hier sprang der Student Kevin Kyburz ein und erklärte die notwendigen Schritte.

Weiter ging es in die Restaurierungswerkstatt. Dort erklärte die Restauratorin Tanja Töbe, wie frühneuzeitliche Glasscherben eines Keulenglases restauriert werden.

Ihre Kollegin Gütha Klonk demonstrierte die mikroskopische Untersuchungen an einem Metallobjekt.

Die costaricanische Fachstudentin Noelia Madrigal Sequier hat sich im Rahmen eines Praktikums in den vergangenen Wochen mit dem Bruchstück eines Mühlsteins aus Basaltlava einer mittelalterlichen Drehmühle in Bremen-Wasserhorst beschäftigt. Sie konnte aufgrund eines Heimaturlaubs den Fund nicht mehr persönlich vorstellen, aber das Objekt und das Poster wurden von der Landesarchäologin Prof. Dr. Uta Halle präsentiert.

Großes Erstaunen bei den BesucherInnen erzielte die große Rollregalanlage im Magazin, in der die Funde der Landesarchäologie dauerhaft für zukünftige Generationen bewahrt werden.

Ein besonderes Highlight für viele Besucher und Besucherinnen waren die Erläuterungen der freiberuflichen Anthropologin Swantje Krause M.sc., die diese zu den menschlichen Knochen am Beispiel der ausgegraben Skelette von den mittelalterlichen bis frühneuzeitlichen Friedhöfen von Unseren Lieben Frauen bzw. St. Stephani gab. Frau Krause wertet in unserem Auftrag diese Knochen im Hinblick auf Geschlecht, Alter und Erkrankungen aus.

Gemeinsam mit dem Praktikanten Martin Geffken hatte der Mitarbeiter Heinz Kahrs im Technikraum verschiedene Vermessungsgeräte aufgebaut, um den technologischen Wandel der letzten Jahrzehnte in diesem wichtigen Dokumentationsbereich zu zeigen.

Die Zeichnerin Elisabeth Schindler führte anhand mehrerer Fundzeichnungen vor, warum das selektive Sehen der Augen bei der Dokumentation von Funden nicht durch moderne Aufnahmemethoden zu ersetzen ist.

Wie wichtig funktionierende Augen in der Archäologie sind stellt die durch einen Unfall erblindete Wissenschaftlerin Tamara Grübel fest. Sie tastet sich im Rahmen eines Praktikums wieder zurück in die Archäologie. Mit ihren Händen hat sie an der Keramik die Herstellungsspuren der mittelalterlichen Krüge und Töpfe erfühlt und hat sie interessierten BesucherInnen beschrieben.

Immer wieder machen Studierende der Ur- und Frühgeschichte anderer Universitäten oder der Geschichtswissenschaft der Universität Bremen Praktika in der Landesarchäologie Bremen. Sie bekommen ein Fundstück, mit dem sie sich intensiv auseinandersetzen und die Ergebnisse als Poster dann beim Tag des offenen Denkmals präsentieren. 2015 waren es die Studierenden Noelia Madrigal Sequier von der Ludwig-Maximilians Universität München, Kevin Kyburz, Jasper Röthemeyer, Jannik Sachweh und Matthias Loeber von der Universität Bremen, die zum Mühlsteinfragment aus Wasserhorst, zum Laternenfund aus der Lloydstraße, zum Betonpumpenrohr vom Bunker Valentin und zum Bomberwrack aus dem Blockland Poster entworfen haben. Zudem hatte der Historiker Michael Hilken M. A. ein Poster mit Anzeigen zur lokalen Berufswelt in den Bremer Nachrichten der Jahre 1793 bis 1796 gestaltet.

Die Bruchstücke des Bomberwracks aus dem Blockland interessierten viele BesucherInnen.

Der Ehrenamtler Jens-Michael Brandes von der Arbeitsgruppe Luftfahrtarchäologie Niedersachen war deshalb oftmals dicht umlagert. Er konnte alle Fragen zur Geschichte des Flugzeugwracks beantworten.

Wer vieles von dem vorgestellten Wissen nachlesen möchte, konnte am Büchertisch noch Literatur zu den Ausgrabungen im Land Bremen erstehen. Da sich einige BesucherInnen als Stammgäste der Landesarchäologie zu erkennen gaben, waren diese etwas enttäuscht, dass es noch keine neue Ausgabe unserer Bremer Archäologischen Blätter gab.

Archäologischer Befund in der Schüttingstraße (Blick auf die Böttcherstraße / Foto: Dieter Bischop)
Archäologischer Befund in der Schüttingstraße (Blick auf die Böttcherstraße / Foto: Dieter Bischop)

Gleichzeitig zur Öffnung der Landesarchäologie unternahm der Archäologe Dr. Dieter Bischop gemeinsam mit dem Baudenkmalpfleger Uwe Schwartz einen Spaziergang zu den archäologischen Ausgrabungen in der Schüttingstraße, einem Durchgangsweg zur Böttcherstraße. Die rund 100 teilnehmenden BesucherInnen konnten sich vor Ort über die freigelegten Strukturen und die wechselvolle Geschichte dieses Altstadtbereichs informieren.

Das Team der Landesarchäologie freut sich über das große Interesse, welches die Archäologie mit ihren vielfältigen Aufgaben am Tag des offenen Denkmals 2015 bei der Bremer Bevölkerung fand.

(Prof. Dr. Uta Halle)